Portraitobjektiv - was ist empfehlenswert?

Sigma 105mm Macro und Nikon D700
Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700

Natürlich lässt sich mit dem mitgelieferten Kitobjektiv auch ein Portrait erstellen also wozu sollte man sich ein extra Objektiv dafür zulegen. Nun, lasst es mich so formulieren "Ein Portrait ist einfach zu wichtig um einen großen Teil des Möglichen mit einer nicht besonders hochwertigen und lichtschwachen Kitoptik zu verschenken." Kitobjektive werden in erster Linie gebaut und dazugepackt um den Kunden (meist Systemkamera-Einsteiger) das Angebot schmackhafter zu machen - kein einziges dieser Objektive, ganz egal welcher Hersteller ist wirklich empfehlenswert oder nutzt die Möglichkeiten der jeweiligen Kamera wirklich aus. Im Klartext heißt das, diese Objektive haben weder eine besondere Schärfe noch eine gute Lichtstärke, zumeist einen recht langsamen Autofokus und das Bokeh welches für Portraits überaus wichtig ist, ist nicht sehr schön.

Kombination: Nikon 24-70mm 2.8 und Nikon D700
Kombination: Nikon 24-70mm 2.8 und Nikon D700 bei 70mm

Falls man den Kauf eines Objektivs für die Portraitfotografie plant ist es wichtig systematisch vorzugehen und als allererstes abzukären welche Eigenschaften ein Portraitobjektiv haben sollte.

 

Um die zu portraitierende Person schön vom Hintergrund freizustellen brauchen sie eine hohe Lichtstärke (große Blendenöffnung), der optimale Portraitbrennweitenbereich liegt zwischen 70mm bis 120mm entsprechend KB, je nachdem auch ob ich nur ein Kopfportrait oder Ganzkörper-Portrait anfertigen möchte. Das Bokeh ist ganz wichtig bei einem Portraitobjektiv, d.h. der unscharfe Bereich sollte weich und harmonisch sein. Und natürlich ist es ganz wichtig für ihre Kaufentscheidung ob sie mit Vollformat oder einer Cropkamera mit APS-C Sensor oder FourThirds fotografieren.

Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700
Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700

Vollformatkameras haben einen weitaus geringeren Schärfentiefebereich was für Portraits von Vorteil ist weil sich das Hauptmotiv so leichter vom Hintergrund trennen läßt und der Bildausschnitt wird nicht gecropt - d.h. wenn am Objektv 105mm draufsteht, dann hat es auch diese Brennweite bei einer Nikon Cropkamera käme man auf eine Brennweite von 157,5mm bei Canon APS-C Kameras auf 168mm und bei FourThirds wird die Brennweite verdoppelt - dementsprechend macht es auch wenig sinn ein 105mm Makroobjektiv als Portraitoptik auf einer Cropkamera einzusetzen - in Verbindung mit einer Vollformatkamera ergibt sich eine geniale Kombination. Generell sind Fixbrennweiten einem Zoomobjektiv für die Portraitfotografie vorzuziehen mit einer kleinen Einschränkung - sie sollten bereits auf digital gerechnet sein.

Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700
Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700

Ältere Objektive die noch aus Analogzeiten stammen sind nicht für die digitale Fotografie optimiert und so kommt es hier in verschiedenen Situationen zu unerwünschten Abbildungsfehlern. Ein Beispiel hierfür ist das Nikon 50mm 1.8 welches vor allem in Gegenlichtsituationen fast nicht einsetzbar ist weil es extreme Lensflairs produziert. Das etwas teurere 50mm 1.4 liefert hier schon weitaus bessere Ergebnisse. Während ein 50mm Objektiv an einer Cropkamera als Portraitoptik gerade noch taugt, ist es für eine Vollformatkamera schon eher zu kurz. Hier sollte zu einer 85mm Festbrennweite gegriffenwerden oder zu einem 105mm Makro Objektiv wie ich es sehr gerne benutze. Das Bokeh des Sigma 105mm Makro ist zu dem butterweich und angenehm anmutend. Für Cropkameras ist hier das 70 mm Makro empfehlenswert.

Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700
Kombination: Sigma 105mm Macro und Nikon D700

Fazit: Für eine Cropkamera mit Cropfaktor von 1,5 bzw 1,6 empfehle ich eine Festbrennweite von 50mm - 85mm und für Vollformatkameras eine Festbrennweite von mind. 70mm - 105mm. Makroobjektive sind für die Portraitfotografie gut geeignet und man schlägt so auch 2 Fliegen mit einer Klappe. Sehr hochwertige Zooms mit durchgängiger Lichtstärke von 2.8 und Offenblendentauglichkeit sind ebenfalls geeignet. Wirklich gute Ergebnisse gibt es bei den Zoomobjektiven allerdings nur mit den Originalobjektiven der Kamerahersteller - Optiken von Sigma usw. müssen meist um zumindest eine Blendenstufe abgeblendet werden weil sie offenblendig meist keine ausreichende Schärfe erzielen.

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Kommentare: 4
  • #1

    roland (Dienstag, 26 Februar 2013 14:52)

    danke für die tipps

  • #2

    Hans-Günther (Montag, 22 April 2013 22:07)

    Was fürn Käse. Das 1,8/50 von Nikon hat weniger Linsen bei gleicher Vergütung als das 1,4/50, hat daher also physikalisch-logisch weniger "flare", da weniger Oberflächen reflektieren. Man nehme eine Gegenlichtblende ... Makroobjektive sind in der Portraitfotografie verpönt, weil sie eben genau alles abbilden, rattenscharf, jede Hautunreinheit. Daher arbeit Portraitobjektive ausgesprochen weich. Daher ist das Standard-Lenskit auch hervorragend für Portraits geeignet, weil es den leuten schmeichelt. Das Sigma-Makro 105 im obigen Bild ist übrigens auch nicht besonders hochwertig ...

  • #3

    Florian Steinwender (Mittwoch, 08 Mai 2013 21:06)

    Danke für die Tipps!
    Ich benutze an meiner Canon 550d ein adaptiertes 50mm f1:1,2 von Nikon mit manuellem Fokus.
    Hat man sich erst mal an das manuelle fokusieren gewöhnt, klappt auch das sehr gut und die Linse ist für meinen Hobbygebrauch ein absolutes Sahnestück mit großartiger Schärfe und sehr schönem Bokeh.
    Was für mich auch sehr schmackhaft an diesem Objektiv ist, ist natürlich der Preis, welcher im gegensatz zum Canon 50mm 1,2L um ca. 1/3 niedriger ist.
    Ich kanns nur weiterempfehlen wenn man sich vor manuellem Fokusieren nicht scheut.

  • #4

    Gerald (Dienstag, 08 März 2016 20:06)

    Schön zusammengefasst! Und richtig erkannt: wenn man über Brennweiten liest, muss man sich immer im klaren sein, wie die eigene Sensorgröße ist.

    Beste Grüße aus Berlin,
    Gerald :)