Available Light (vorhandenes Licht) in der Portraitfotografie

Outdoor-Portrait mit vorhandenem Licht
Outdoor-Portrait mit vorhandenem Licht

Portraits im Studio sind vom Licht her besser planbar und mit ein wenig Übung und Gefühl für die Lichtführung kommt man im Fotostudio recht schnell zu guten und konstanten Ergebnissen. Aber nicht jeder hat ein Fotostudio und die Fotografie on Location ohne zusätzliche Lichtquellen stellt auch eine besonders reizvolle und abwechslungsreiche Herausforderung dar.

 

Mit vorhandenem Licht, oder um den englischen Ausdruck zu gebrauchen, mit available light zu fotografieren heißt, das Licht optimal zu nutzen das vorhanden ist und oftmals die Herausforderung anzunehmen auch unter schwierigsten Bedingungen noch brauchbare Ergebnisse zu bekommen. 

 

Mit Reflektoren, Diffusern und Abschattern kann man sich aber behelfen um aus diesen Situation das Beste herauszuholen ohne den natürlichen Lichteindruck zu zerstören.

Ein kleiner Faltreflektor sollte immer mit dabei sein
Ein Faltreflektor sollte immer mit dabei sein

Reflektoren gibt es in weiß, silber, gold oder auch silber/gold-gestreift (Zebra). Während silberne bzw. goldene Reflektoren ein recht hartes Licht liefern, das Licht des Goldreflektors ich noch dazu unnatürlich gelb, kann man mit der Mischform daraus dem sogenannten Zebra sehr schöne Ergebnisse erzielen. Das natürlichste Licht liefert ein weißer Reflektor oder einfach ein größere weiße Styroporfläche - allerdings ist damit nur ein recht schwacher Aufhelleffekt zu ereichen. Wenn man Geld sparen will kann man sich auch recht einfach auch Rettungsfolie und Styropor einen silberen bzw. goldenen Reflektor basteln - wirklich praktisch und transportabel ist diese Lösung aber nicht. Am gebräuchlichsten und gut einsetzbar sind Faltreflektoren die man relativ klein zusammenlegen und dadurch auch gut transportieren kann. Meine Empfehlung: ein Zebra-Faltreflektor mit Durchmesser von ungefähr 90 - 120cm für Outdoor-Portrait-Shootings - vorausgesetzt man hat eine Person mit, die den Reflektor auch hält. Von Haltesystemen mit Stativ rate ich im Outdooreinsatz ab, da sie beim ersten Windhauch umfallen.

 

Portraitfotos in direktem Sonnenlicht, vor allem um die Mittagszeit, sind auf jeden Fall zu vermeiden da es hier zu harten Schlagschatten im Gesicht durch Haare, Wimpern und auch Nase kommt die alles andere als schön anzusehen sind. In so einem Fall hilft es nur in den Schatten zu flüchten, oder mittels Diffusor der zwischen Sonne und zu portraitierende Person gehalten wird, für ein weicheres schmeichelnderes Licht zu sorgen. Wunderschönes Portraitlicht im freien hat man oft auch dann wenn der Himmel mit einer dünnen Wolkenschicht überzogen ist. Die Wolken wirken in diesem Fall wie ein riesengroßer natürlicher Diffusor. 

 

Mittels Abschatter kann man störende Reflexionen vermeiden bzw. die natürliche Schattenwirkung an gewünschten Stellen verstärken um ein Portrait z.B. dramatischer und aussagekräftiger zu gestalten.

 

Indoor kann man wiederum Reflektoren einsetzen um z.B. das einfallende Sonnenlicht zu reflektieren - aber auch bei Kunstlicht kann man ohne Blitzeinsatz zu schönen Ergebnissen kommen. 

Stimmungen einzufangen gelingt oft besser ohne Blitzeinsatz
Stimmungen einzufangen gelingt oft besser ohne Blitzeinsatz

Um bei wenig Umgebungslicht keine verwackelten Bilder zu produzieren ist es wichtig, dass die Belichtungszeit nicht länger als 1/Brennweite entsprechend Kleinbild ist, also bei Kameras mit Crop-Faktor bitte diesen berücksichtigen. Hat man eine Kamera mit Cropfaktor 1,5 wie z.B. Nikon, Sony oder Pentax und ein Objektiv mit 50mm so sollte die Belichtungszeit nicht länger als 1/75 sek. sein. Bei einer Vollformatkamera dementsprechend 1/50 sek.. Durch Stabilisatoren in modernen Kameras kann man hier noch etwas darüber hinausgehen...allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass ab einem gewissen Punkt, sich leicht bewegende Motive wie Menschen, eine gewisse Bewegungsunschärfe aufweisen. Wie man aber am Bild links leicht sehen kann lassen sich mit etwas Übung auch bei sehr wenig Licht sehr stimmungsvolle Bilder erstellen.

 

Das Wichtigste bei Portraits mit available light ist aber flexibel zu sein, auf die vorhandenen Bedingungen einzugehen und eventuell den Aufnahmestandpunkt öfters zu wechseln bis es vom Licht her passt.

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