Blende, Brennweite und Co. in der Portraitfotographie

Objektfreistellung durch Offenblende
eine weit geöffnete Blende sorgt für eine Freistellung der Person

Die Portraitfotografie  gehört zu den fotografischen Sparten für die es sehr klare Grundregeln gibt was die Einstellungen an der Kamera betrifft und auch ganz klare Empfehlungen für die zu verwendenden Brennweiten. 

 

Grundsätzlich steht bei einem Portrait die zu portraitierende Person im Mittelpunkt (was aber keinesfalls bedeutet, dass man sie im Bild auch dort platzieren sollte) und so ist es ratsam die Person durch bewussten Einsatz von Schärfe und Unschärfe vom Hintergrund zu trennen, oder wie man es in der Fotografie ausdrückt, freizustellen.

 

Diese angestrebte Freistellung erreicht man durch eine weit geöffnete Blende, was einer niederen Blendenzahl gleichkommt. Die Schärfentiefe hängt aber nicht nur von der verwendeten Blende ab sondern auch von der Brennweite - je größer die Brennweite, desto kleiner der Schärfentiefebereich. Für die Portraitfotografie empfehlen sich daher Objektive mit einer möglichst hohen Lichtstärke, also Objektive die die Möglichkeit bieten die Blende möglichst weit zu öffnen und ein Brennweitenbereich von 50mm - 140mm entsprechend Kleinbild-Format (Vollformat). Optimal wäre ein Brennweitenbereich von 75mm - 100mm entsprechend dem Kleinbild-Format. Ein Objektiv mit einer Brennweite von 50mm auf einer Kamera mit einem Crop-Faktor von 1,5 ergibt eine Brennweite von 75mm - kann also für Portraits sehr gut genutzt werden - das selbe Objektiv auf einer Vollformat Kamera ist dann am unteren Ende der Nutzbarkeit angesiedelt und daher nur mehr bedingt für schöne Portraits nutzbar. Der Grund warum kleine Brennweiten in der Portraitfotografie äußerst ungünstig sind ist schnell erklärt: Dinge die näher am Objektiv sind werden größer dargestellt, als Dinge die weiter entfernt sind - dieser verzerrende Effekt verstärkt sich je näher man an das Objekt bzw. die Person herangeht. Nun mit kleinen Brennweiten muss man schon sehr nahe an die Person heran um ein formatfüllendes Portrait zu erhalten und dann kommt es zu unschön vergrößerten Nasen etc. Bei Weitwinkel und Superweitwinkelobjektiven ist dieser Effekt bereits so stark, dass es zu comic-haften Verzerrungen kommt die maximal für Juxfotos eine Berechtigung haben. Außerdem nimmt diese Verzerrung zum Bildrand bei Weitwinkelobjektiven noch zu. Zu große Brennweiten wiederum verdichten zu stark, so dass wiederum ein unnatürlicher Gesichtseindruck entsteht...das Gesicht wird flach - außerdem ist man beim Fotografieren evtl. schon zu weit von der Person entfernt um vernünftig kommunizieren zu können. Deshalb der empfohlene Brennweitenbereich in dem diese Verzerrungen kaum sichtbar auftreten.

 

Meine Low-Budget-Empfehlung für User einer Crop-Kamera ist eine 50mm Festbrennweite - es gibt hier bereits sehr günstige Varianten der großen Fotohersteller mit Anfangslichtstärke 1.8 die abgeblendet auf 2.8 bereits sehr gute Ergebnisse liefern. Festbrennweiten haben auch fast immer die bessere Bildqualität und lichtstarke Zooms sind sehr teuer, vor allem die Originaloptiken. Für User von Vollformat-Kameras wird es wie immer etwas teurer - hier ist meine Empfehlung eine 85mm Festbrennweite - auch hier gibt es weit günstigere Varianten mit Anfangslichtstärke 1.8 mit hervorragender Abbildungsqualität. Wenn das Geld keine große Rolle spielt so gibt es egal ob 50mm oder 85mm Optik die weitaus teureren Profi-Linsen mit einer Anfangslichtstärke von 1.4 die allerdings nicht nur ein vielfaches kosten sondern auch zumeist bauartbedingt größer und schwerer sind. 

 

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