Pentax 645Z Test / Review

Pentax 645Z
Pentax 645Z

Pentax, seit einigen Jahren Teil des Ricoh Konzerns, hat neben den Fotogiganten Nikon, Canon und Sony keinen leichten Stand. Die Spiegelreflexkameras mit APS-C Sensor  gehören seit vielen Jahren rein technisch gesehen zum Besten was man in diesem Segment bekommen kann - in den Verkaufszahlen schlägt sich das nicht nieder und so ist der Marktanteil von Pentax/Ricoh verschwindend gering. Der Käufer greift hier meist zu Canon oder Nikon, auf Grund der größeren Bekanntheit, aber sicher auch wegen einem größeren Angebot an Zubehör und einem dichter ausgebauten Servicenetz.

 

Nun ging Pentax 2014 mit der zweiten Generation seiner digitalen Mittelformat-Kamera an den Start. Kein leichtes Unterfangen, denn hier im Club der imageträchtigen Mittelformatboliden heißen die Mitbewerber Hasselblad, Phase One oder Leica. Was die Pentax diesen großen Namen entgegen bieten kann ist vor allem der Preis - denn für die vergleichbaren Geräte von Hasselblad oder Phase One legt man zumindest das dreifache hin - die Leica S2 ist mittlerweile zwar um knapp 12.000 Euro zu haben - nur die Objektive dazu kosten ein Vielfaches der Optiken von Pentax. Mit rund 8.000 Euro ist die Pentax zwar auch nicht gerade billig, im Vergleich mit dem Mitbewerb in diesem Segment, aber geradezu ein Schnäppchen. 

praktisch: Hochformat-Stativanschluss und Klappmonitor
praktisch: Hochformat-Stativanschluss und Klappmonitor

Die Pentax 645Z nutzt einen 51,4 Megapixel CMOS Sensor aus dem Hause Sony - der selbe Sensor findet sich auch in der Phase One IQ250 und in der Hasselblad H5D-50C - die Verwendung von CMOS statt CCD Technik verspricht bessere Bildqualität bei hohen  ISO-Stufen und ermöglicht LIve-View und Video-Funktionalität - Pentax bietet zur Zeit auch als einzige Mittelformat-Kamera die Möglichkeit Videos aufzuzeichnen - die Qualität der Videos ist allerdings eher mäßig und so ist diese Funktion zwar ganz nett aber sicher kein Kaufargument. 

 

Ist die Pentax nun ein echter Hasselblad bzw. Phase One Killer oder zahlt es sich nach wie vor aus zu den renommierten Mittelformat Marken zu greifen - kann man sich mit der Pentax zig tausende Euro sparen oder muss man ganz einfach noch viel tiefer in die Tasche greifen um vernünftig mit dem Mittelformat System arbeiten zu können? Nun, das hängt ganz vom Einsatzgebiet ab, in vielen Bereichen kann die Pentax mit Hasselblad oder Phase One locker mithalten, in manchen Bereichen übertrifft sie diese sogar, aber es gibt auch einige Dinge, die Hasselblad oder Phase One können, wo Pentax komplett aussteigt - zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt. Der gravierendste Minuspunkt für die Pentax ist sicher die Blitzsynchronzeit von 1/125 die dem Schlitzverschluss geschuldet ist - Objektive mit Zentralverschluss die kürzere Synchronzeiten möglich machen würden fehlen im Objektiv Line-up von Pentax - ein unüberwindbares Manko für all jene die outdoor blitzen und bewegte Szenen darstellen. Auch mit Auslösern von Fremdherstellern lässt sich das nicht überlisten und so scheidet die Kamera für all jene die Action fotografieren oder offenblendig im Freien mit Blitz arbeiten wollen von vorne herein aus.

Größenvergleich Pentax 645Z mit Canon EOS 5D MKIII
Größenvergleich Pentax 645Z mit Canon EOS 5D MKIII

Zum Anderen bietet die Pentax allerdings ein sehr gut abgedichtetes und außergewöhnlich gut verarbeitetes Gehäuse, Bedienelemente wie man sie von einer klassischen Kleinbild-Spiegelreflexkamera kennt - dadurch ist sie sehr einfach zu handhaben - und sie liegt ausgezeichnet in der Hand. Sie ist nicht als reine Studiokamera konzipiert, das robuste Gehäuse ist auch perfekt geeignet für Natur und Landschaftsfotografen die auf höchste Bildqualität setzen. Die Bildqualität steht den vergleichbaren Kameras von Hasselblad oder Phase One um nichts nach und die Verarbeitungsgeschwindigkeit wurde im Gegensatz zum Vorgängermodel deutlich verbessert.

Verschluss-Mechanismus Batteriedeckel Pentax 645Z
Verschluss-Mechanismus Batteriedeckel Pentax 645Z

Haptik und Verarbeitungsqualität

Die Pentax ist außergewöhnlich gut verarbeitet - es gibt nicht viele Kameras die dieses Qualitätsniveau beim Gehäuse erreichen - dementsprechend gut ist die Haptik. Die Kamera ist sehr gut abgedichtet - sogar der Batteriedeckel an der Gehäuseunterseite ist mit einem hochwertigen Verschlussmechanismus versehen. Man hat das Gefühl dieses Gerät ist für die Ewigkeit gebaut - schwer und unglaublich solide.

Pentax 645Z
Pentax 645Z

Bedienung

Die Bedienung der Kamera erinnert an eine Kleinbild-DSLR, dementsprechend schnell hat man sich eingearbeitet. Es gibt sehr viele Direktzugriffstasten - die Ausstattung der Pentax ist überdurchschnittlich - man kann sich eine 4-Wege-Wasserwaage am Monitor oder im Sucher einblenden lassen was das Ausrichten der Kamera erleichtert - der Monitor ist mit 3,2 Zoll sehr groß und wirklich ausgezeichnet - er lässt sich nach oben und nach unten kippen. Die Funktionsvielfalt ist enorm was spätestes dann klar wird wenn man sich durch endllose Menüs zappt - ein Paradies für Technik Freaks. Die Kamera bietet sogar eine Fülle von Bildstilen und Filtern wie man es eher von Einstiegs-DSLR's oder Systemkameras gewohnt ist . Besonders Erwähnenswert ist übrigens die HDR und Mehrfachbelichtungsfunktion - die Kamera verrechnet die Bilder in der Kamera und speichert das dabei entstandene Bild, wenn man in RAW fotografiert, auch wieder als RAW ab - das ist absolut einzigartig. Die Bedienung ist logisch aufgebaut und alle Tasten lassen sich gut bedienen. Mein Lieblingsdetail war auf Anhieb der Hochformat-Objektivanschluss - natürlich gibt es für die DSLR oder Systemkamera auch Winkelschienen und dergleichen - aber jetzt mal ganz ehrlich - so direkt am Gehäuse ist nicht nur stabiler, es ist auch viel cooler.

 

Autofokus

Nun dieser Punkt ist wahrscheinlich ein Schwachpunkt bei allen Mittelformat Kameras - die Geschwindigkeit die man von einer modernen Spiegelreflexkamera gewohnt ist darf man in dieser Kameraklasse nicht erwarten - obwohl man ganz deutlich erkennen kann, dass Pentax hier versucht ein System zu integrieren dass an Kleinbildkameras erinnert - 25 Kreuzsensoren können die Mitbewerber nicht aufweisen - allerdings liegen die Sensoren sehr weit in der Mitte so dass ein Verschwenken der Kamera in vielen Fällen trotzdem notwendig ist - hier bietet Hasselblad mit seinem True Fokus System eine Technik an, die den Versatz beim Verschwenken bzw. Recomposing berechnet und ausgleicht - Alles in Allem ist der Autofokus in allen Mittelformat-Kameras weit weg von dem was moderne DSLR-Systeme bieten. Auch bei der Pentax verläuft das Fokusieren trotz Kreuzsensoren langsam und bei wenig Umgebungslicht lähmend, bis hin zur völligen Funktionslosigkeit mit manchen Objektiven wie z.B. dem 120mm Makro.

Bildqualität Pentax 645Z
Bildqualität Pentax 645Z

Bildqualität

Öffnet man das erste Mal ein Bild der Pentax 645Z am Rechner so ist man zu tiefst beeindruckt - ja es bleibt einem fast der Atem weg - eine unglaubliche Fülle an Details, wunderschöne Hauttöne - ja nun wird klar was die Stärke einer Kamera mit dieser Sensorgröße ist - sämtliche Schwächen sind mit einem Mal vergessen wenn man sieht welch brillante Bilder aus dem großen Kasten kommen - der Sensor von Sony leistet wie erwartet erstklassige Arbeit und die CMOS Technologie erlaubt es auch bis in hohe ISO Bereiche mit wenig Detailverlust zu fotografieren. Die CCD Sensoren die bisher im Mittelformat-Segment zum Einsatz kamen zeigten schon bei 400 ISO eine deutliche Abnahme der Bildqualität - mit dem CMOS Sensor hat man nun bis 1600 ISO eine erstklassige Qualität mit kaum Detailverlust - ich testete die Kamera auch bei 5000 ISO und war überrascht wie gut die Bilder aussahen - natürlich wird dann in der 100% Ansicht das Rauschen schon deutlich sichtbar - nur wann braucht man das bei 51 MP - bei normaler Bildschirmansicht bekommt man immer noch grandiose Bilder mit guten Details  und Ausdrucke bis A3 in tadelloser Qualität sind ebenfalls noch gut möglich.

100% Ausschnitt - Pentax 645Z mit 120mm 4.0 Makro
100% Ausschnitt - Pentax 645Z mit 120mm 4.0 Makro

Wenn man in die Aufnahmen hinein zoomt sieht man Details die man mit keiner DSLR derzeit erreichen kann - die Canon 5Ds dürfte hier mithalten können ist aber noch nicht erhältlich - bei Dynamikumfang und High ISO Bildqualität wird sie sich aber meiner Einschätzung nach geschlagen geben müssen.

 

Das Bild links ist ein 100% Ausschnitt - die Staubfussel und Fehler in der kleinen Schrift einer Parfumflasche waren mit freiem Auge nicht sichtbar.

 

Noch mal zurück zu den Hauttönen - jeder Fotograf kennt das Problem, dass die Darstellung von Hauttönen oft nicht so ganz dem entspricht wie man es gerne hätte - zu viel Magenta oder eine gelbstichige Haut stören den Gesamteindruck des Bildes ganz gewaltig - nun die Pentax leistet hier vorbildliche Arbeit - wunderschön cremige Töne von beige bis braun geben Portraits eine sehr edle Anmutung - kenne nicht viele Kameras  die an diese Hautdarstellung "out of the cam" heran kommen.


Verschlusszeit - Blitzsynchronzeit

Die minimale Verschlusszeit von 1/4000 ist sehr gut - die Hasselblad kann hier bei weitem nicht mithalten - so kann man auch bei hellstem Sonnenlicht locker mit offener Blende arbeiten, sobald es aber ans Blitzen bei hellem Umgebungslicht geht zeigt die Pentax ihren größten Schwachpunkt - da es bis dato keine Objektve mit Zentralverschluss gibt sind kurze Blitzsynchronzeiten nicht möglich - man kann de facto nur mit 1/125 Verschlusszeit blitzen - offenblendiges Arbeiten in Verbindung mit einem Blitz bei hellem Umgebungslicht ist somit unmöglich - aber auch für geblitzte Action-Aunahmen ist die Pentax die falsche Kamera - da haben Hasselblad und vor allem Phase One ganz deutlich die Nase vorne. Laut Gerüchteküche bastelt man bei Pentax an Objektiven mit Zentralverschluss und sollten diese tatsächlich kommen, hat die Pentax wirklich das Zeug dazu Hasselblad und Phase One die Show zu stehlen.


Software

Auch in dem Bereich hinkt Pentax hinterher - Phase One bietet mit Capture One einen der besten Raw Entwickler und die wahrscheinlich beste Software um angebunden zu fotografieren - auch Hasselblad hat mit Phocus ein erstklassiges Programm mit im Lieferumfang - Pentax bietet keinen Raw-Entwickler mit dem man auch angebunden fotografieren könnte, was für viele Fotografen, vor allem in dem Segment, aber zur Tagesordnung gehört. Lightroom kann zwar die Pentax-Raws verarbeiten die Tether Funktion ist aber auch hier für die Pentax nicht verfügbar. Capture One kann seit Einführung der Pentax 645Z keine DNG's mehr verarbeiten - man hat die Pentax hier ganz einfach ausgesperrt was wiederum darauf schließen lässt, dass man die 645Z bei Phase One verdammt ernst nimmt. Mittels Hilfs-Software kann man aber die Pentax Raw's sowohl in Lightroom als auch Capture One getethered importieren - nicht der bequemste Weg aber zumindest möglich. Hier wäre es Pentax anzuraten schnellstmöglich eine eigene Software zu entwickeln bzw. die Tether-Funktion in Lightroom direkt zu ermöglichen.


Fazit

Pentax liefert mit der 645Z eine äußerst robuste Kamera mit einer vortrefflichen Bildqualität - der CMOS Sensor von Sony erlaubt auch das Arbeiten bei hohen Empfindlichkeiten und ermöglicht Live View sowie Videofunktion. Die Kamera liefert im Studio sowie auch Outdoor einen Detailreichtum wie man ihn von Kleinbild-Kameras nicht kennt - die vergleichbaren Mittelformat-Modelle der Mitbewerber kosten zumindest das dreifache, bieten dafür aber auf Grund des Zentralverschlusses eine weitaus kürzere Blitzsynchronzeit. Wer die allerdings nicht benötigt und auf gewisse Bequemlichkeitsvorteile beim angebundenen Fotografieren verzichten kann bekommt mit der Pentax die Mittelformatkamera mit dem absolut besten Preis-Leistungsverhältnis.

+ Verarbeitungsqualität

+ sehr gut abgedichtetes Gehäuse

+ Bedienung

+ Ausstattung - Funktionsumfang

+ Bildqualität

+ High-ISO Fähigkeiten

+ Anschaffungspreis

+ sehr guter Monitor

 

- Blitzsynchronzeit

- nur SD-Karten

- Autofokus

- Software (tethered shooting)


In Österreich ist die Kamera bei sagafoto.at erhältlich.

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Kommentare: 5
  • #1

    Michi (Freitag, 24 April 2015 09:15)

    Super Analyse! Danke!

  • #2

    Jens Derndorfer (Freitag, 24 April 2015 11:34)

    Wow... Michi ein sehr gelungener ausführlicher Bericht :-) Top :-) lg Jens
    Sensationell !!!!!!!

  • #3

    John Flury (Freitag, 24 April 2015 13:32)

    Guter Bericht! Ein paar kleine Korrekturen trotzdem. Historisch gabs mal ein 90mm F/2.8 LS (leaf shutter) fürs 6x7 System, es lässt sich also auch an der Pentax verwenden. Allerdings ist das Objektiv nur Occasion erhältlich und ein altes Design, es wird also bestimmt nicht die nötige Auflösung haben um vom 51 MP Sensor zu profitieren, in Tat und Wahrheit tun dies aber sowieso nur 2-3 Objektive (120mm macro, 90mm macro und dann vielleicht noch das neue 25mm). HSS ist übrigens mittels P-TTL möglich mit dem Pentax-eigenen Speedlight. Aber es soll auch mittels eines Blitzes mit langer Abbrennzeit möglich sein (z.B. mit dem Pro Head auf dem Elinchrom ELB 400) - hab ich nicht probiert bis jetzt. Ich würd an der Stelle sowieso eher ND Filter verwenden um das Tageslicht runterzubringen, so dass auch mit 1/125s bei ISO 100 noch eine vernünftige Belichtung möglich ist. Somit ist dann kein HSS nötig. Und die letzte Erweiterung: Pentax Image Transmitter 2 wurde vor 2 Wochen geupdatet, damit kann getethert werden - allerdings ist die Software nach wie vor sehr einfach gestrickt. Keine Vergrösserung des Previewfensters z.B.... Lightroom könnte allerdings denn Tether-Eingangsordner überwachen und somit liesse sich direktes tethering in Lightroom zumindest simulieren (via Pentax Image Transmitter 2). Ein letzter negativer Punkt aus meiner Sicht sind die Farben direkt aus der Kamera. Vielleicht liegts am Adobe Raw Converter, aber im Vergleich zu Canon und Nikon muss entschieden mehr an den Farben geschraubt werden. Dies könnte via X-Rite Colorcheckr behoben werden, aber leider hängt sich dieser auf bei grossen Files. Andere Farbreferenzsysteme funktionieren leider auch nicht zufriedenstellend (habs mit Datacolor probiert). 645z Raw Dateien lassen sich übrigens über Umwege in CaptureOne laden, aber das heisst nicht, dass das eine gute Idee ist. Wen's trotzdem interessiert: http://obsoquasi.ch/how-to-open-pentax-645z-dng-files-in-capture-one-pro/

  • #4

    Michael Schnabl (Freitag, 24 April 2015 14:30)

    Hallo John, dass High Speed Sync mit Aufsteckblitz von Pentax möglich ist, ist natürlich richtig - ich bezog mich da eher auf professionellere Lösungen mit mobiler Blitzanlage und hier ist leider auch mit Blitzen mit langer Abbrenndauer keine Umgehung der langen Synchronzeit möglich - das wurde alles schon mit verschiedensten Auslöseverfahren getestet - es funktioniert leider nicht.

    LG Michael

  • #5

    Karl Michalski (Dienstag, 02 Juni 2015)

    Guter Bericht. Hier noch zwei ergänzende Erfahrungen von mir.

    Tethering klappt ganz gut mit einer wlan Speicherkarte und einem "watched folder" im Lightroom. Sollte auch mit Kabel funktionieren wurde von mir aber nicht gemacht.

    Mit einem guten ND Filter vor der Linse gelingen auch sehr viele geblitzte Aussenaufnahmen mit offener Blende.

    LG Karl