Fuji X-T1 Erfahrungsbericht / Test

Fuji XT-1 mit Fujifilm MHG-XT Large Handgriff
Fuji XT-1 mit Fujifilm MHG-XT Large Handgriff

Eigentlich stand ich den ganzen Systemkameras relativ skeptisch gegenüber - oft ohne Sucher und wenn einer vorhanden war, dann zumeist relativ klein und bei schlechtem Licht kaum ernsthaft zu verwenden. Trotzdem war ich lange auf der Suche nach einer Kamera diesen Typs - vor allem für unterwegs - die Canon 5D MKIII mit ein paar Objektiven sorgte schon so einige Male für Probleme am Flughafen mit zu schwerem Handgepäck. Die Sonys liefern zwar eine sehr gute Bildqualität aber mit dem Bedienkonzept der Alphas konnte ich mich nie anfreunden - Olympus und Panasonic bauen sicher tolle Kameras aber der Micro-four-thirds Sensor ist mir einfach zu klein - zumindest APS-C sollte es schon sein. Als dann eines Tages ein Bekannter von mir mit einer Fuji X-T1 aufkreuzte und ich die Kamera das erste Mal in Händen hielt, war ich mehr als positiv überrascht.

Es war so ein bisschen Liebe auf den ersten Blick - oder auf das erste Fühlen - denn, die Fuji fühlte sich einfach gut an - ja und sie sah auch deutlich besser aus als die vergleichbaren Kameras der Mitbewerber. Nun, Schönheit alleine macht noch keine gute Kamera - aber der erste Blick durch den großen digitalen Sucher der Fuji machte mich nun aber wirklich neugierig - so ein großes und gutes Sucherbild hatte ich bei einer spiegellosen Kamera bis dahin noch nicht gesehen. Die Größe des Suchers entspricht einer Top-Vollformat-Kamera - für mich ein nicht unwesentliches Detail - People-Aufnahmen mache ich ganz einfach lieber mit der Kamera am Auge - während ich bei Architekturaufnahmen sehr gerne mit dem Monitor arbeite, weil sich so für mich die Linien leichter ausrichten lassen.

Unterwegs mit der Fuji XT-1 - Foto: Imiak Khan
Unterwegs mit der Fuji XT-1 - Foto: Imiak Khan

Nach kurzem Überlegen wurde die XT-1 angeschafft und dazu das 56mm 1.2 für meine Portrait-Shootings und das 10-24mm 4.0 für Landschafts und Reisefotografie. Später kamen auch noch die Pancakes  mit 18 und 27mm dazu sowie kurzzeitig auch das exzellente 23mm 1.4. Selbiges gab ich dann nach einiger Zeit wieder her, da das 10-24 ja diese Brennweite mit abdeckt und es mir etwas mehr Flexiblität bietet.

 

Im Herbst 2015 wurde ich von Jademodels International Management zu einigen Modelshoots nach Mallorca eingeladen und ich entschloss mich diesmal meine Canon 5DMKIII samt schweren Wechselobjektiven zuhause zu lassen. Mit nicht einmal der Hälfte an Gewicht und Packvolumen wie sonst üblich ging es ab auf die Sonneninsel - zum ersten mal kein Zittern mit dem Handgepäck beim Einchecken - im März hatte ich beim Hinflug nach Dubai große Probleme mit dem zu schweren Fototrolley - 15kg wurde beim Abwiegen festgestellt und die Check-In-Mitarbeiterin von Emirates verlangte dass ich ihn als Koffer aufgebe - bei einem Ausrüstungswert von ca. 15.000 Euros samt Mac-Book Pro  ein Ding der Unmöglichkeit für mich - ein wenig Glück hatte ich dann doch - nach Rücksprache mit der Crew dufte er dann doch noch mit - sogar mit Spezialverwahrung in der Bordküche.  Nun, diese Probleme hat man mit der X-T1 samt mehreren Wechselobjektiven in einem leichten Rucksack nicht - ein entscheidender Vorteil wenn man unterwegs ist.

 

Richtig bewusst, wie angenehm es ist, mit einer leichten Ausrüstung unterwegs zu sein wurde es mir dann bei den Shootings selbst. Oft ist man schon ein wenig zu Fuß unterwegs, bis man eine geeignete Location gefunden hat - das war diesmal doch deutlich angenehmer. Ein leichter relativ kleiner Rucksack mit Kameraequipment und eine Umhängetasche mit zwei Blitzen, Funkauslöser, einer kleinen Schirmsoftbox sowie zwei leichten Stativen - der Sherpa konnte diesmal also zuhause bleiben.

 

"Mit der Fuji X-T1 und einigen Wechselobjektiven bin ich mit dem halben Gewicht und Equipment-Volumen unterwegs, im Vergleich zu einem vergleichbaren klassischen Spiegelreflex Kamera-System. Das ist bei der Arbeit on location und auf Reisen ein enormer Vorteil - zudem belohnt die X-T1 mit einer unglaublich schönen Farbdarstellung, die man sonst bei keinem anderen System findet."

 

Am Anfang war es schon etwas ungewohnt für mich mit so einer kleinen Kamera zu arbeiten - man muss sich auch etwas umstellen von der Bedienung her - die Zweifel waren aber recht rasch verflogen als ich mir die ersten Resultate am Monitor ansah - und als ich in die Bilder hinein zoomte und die Schärfe bei jedem Bild dort saß wo es sein sollte wurde aus anfänglichem Zweifel, ob sich das wohl auch alles mit einer Systemkamera realisieren ließe, ehrliche Begeisterung. Die meisten Bilder habe ich mit natürlichem Licht gemacht - das ist der Bereich für den die Fuji wie geschaffen ist - bei einem Shooting arbeitete ich mit einem entfesselten Aufsteckblitz was ebenfalls relativ gut funktionierte. Für Fuji gibt es leider relativ wenig an Blitzzubehör von Fremdherstellern - TTL über Funk soll es zwar mittlerweile über irgend ein Auslöser-System geben welches in den USA erhältlich ist - im deutschsprachigen Raum konnte ich nichts finden - HSS scheint zur Zeit mit der Fuji gänzlich unmöglich zu sein - da die Blitzsynchronzeit mit 1/180 auch nicht gerade berauschend ist kann das in manchen Situationen eng werden - man kann sich natürlich mit Graufiltern behelfen was allerdings die Autofokus-Leistung massiv beeinträchtigt und natürlich eine höhere Blitzleistung verlangt - mit Aufsteckblitzen ist man da sofort am Limit. Gut, das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau - in der Praxis funktionierte das Ganze mit ultrabilligen No-Name Funkauslösern und ebenso günstigen Yongnuo Blitzen sehr gut.

 

Nach einer Woche Mallorca, vier Model-Shootings und etwas Landschaftfotografie hab ich die Fuji X-T1 wirklich ins Herz geschlossen - die Bilder haben eine ganz eigene Fuji-typische Anmutung - das liegt einerseits an den wirklich schönen Farben die die Fuji produziert und andererseits auch am wunderbar cremigen Bokeh in den Unschärfebereichen welches jedes von mir verwendete Fuji-Objektiv produziert. Als unglaublich praktisch hat sich, der in der Größe verstellbare Fokuspunkt erwiesen - so läßt sich der Fokus wirklich ganz genau aufs Auge legen - bei offenblendigem Abeiten ein nicht unwesentliches Detail. Im Vergleich dazu die EOS M3 - ebenfalls eine sehr gute Systemkamera, leider ohne Sucher und eben mit einem Fokuspunkt der relativ groß und nicht verkleinerbar ist - hier hat man wirklich das Problem, dass der Fokus auf kürzere Distanzen bei offener Blende oft nicht sitzt weil im erfassten Bereich dann eben nicht nur das Auge, sondern auch Wange und Augenbrauen sind. Bei der Fuji, wie schon erwähnt, hatte ich kaum fehlfokussierte Bilder - eine ausgezeichnete Portraitkamera.

 

Ich fotografiere generell in RAW, weil es mir einfach etwas mehr Bearbeitungsspielraum lässt - die Filmsimulationen sind daher für mich von geringerer Bedeutung auch wenn ich immer auch ein Jpg bei der Fuji mit speichere um auch Bilder zu haben die eventuell sofort weiter gegeben werden können. Als sehr gelungen finde ich hier die Funktion der Filmsimulationsreihe, welche sich sehr schnell über den Ring unter dem ISO-Rändelrad anwählen läßt - so kann man bei jeder Aufnahme drei verschiedene Filmsimulationen mit abspeichern die man vorher ausgewählt hat - bei Landschaften finde ich den Standard Film ausgezeichnet und bei Portraits kommt Astia unglaublich gut - aber auch Schwarz/Weiß mit erhöhten Schwarzwerten eignet sich für Portraits out of cam sehr sehr gut. Selbst-konfigurierte Filmsimulationen bzw. Farbeinstellungen lassen sich in den Custom-Settings abspeichern und über das Quick-Menü sehr schnell aufrufen - überhaupt ist die Fuji eine Kamera die sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten, was den Bildlook angeht, erlaubt - diese Einstellungen greifen klarer Weise nur auf das Jpg. 

 

Wenn man Lightroom nutzt wird man etwas enttäuscht - hier lässt sich Adobe unglaublich viel Zeit um die Fuji RAWs endlich entsprechend zu behandeln - es ist zwar innerhalb des letzten Jahres einiges verbessert worden - nur gibt es andere RAW-Entwickler die zeigen was tatsächlich in den Fuji-RAWs steckt - man kann natürlich Lightroom nutzen um die Fuji-RAWs zu entwickeln - auch ich habe es so gemacht weil der Lightroom-Workflow für mich einfach bequem und gewohnt ist - ich gebe hier aber die Hoffnung nicht auf, dass mit einem der nächsten Lightroom Updates auch ein besserer Algorithmus für die Fuji RAF-Files kommt. 

 

Für mich ist die Fuji eine unglaublich gute on Location Cam und perfekt fürs Reisen - ich werde die Fuji demnächst auch ausführlicher im Studio testen und euch natürlich davon berichten.

 

Fazit: Die Fuji X-T1 begeistert mit einem hübschen Retro-Design und sehr guter Verarbeitung - das klassische Bedien-Konzept mit Blendenring und den Rändelrädern für ISO, Verschlusszeit und Belichtungskorrektur macht Spaß und erlaubt eine schnelle Arbeitsweise. Die Farbdarstellung des X-Trans Sensors ist einzigartig - mit Filmsimulationen die weiter konfigurierbar sind gelingen atemberaubende Bilder "out of cam". Bleibt zu Wünschen, dass es in Zukunft mehr Zubehör am Blitzsektor gibt und dass die Fuji-RAWs bald besser von Adobe Lightroom unterstützt werden. Der größte Vorteil ist sicher die enorme Gewichtsersparnis gegenüber einem klassischen Spiegelreflex-Kamerasystem, bei sehr guter Bildqualität - die XF-Objektive für die Fuji sind herausragend - für mich als People-Fotograf ist das absolute Highlight das XF 56mm 1.2 R - die maximale Offenblende von 1.2 ist hier wirklich sehr gut verwendbar - der Bildlook der sich dadurch ergibt einfach genial.

 

++ Verarbeitungsqualität, Design, Bildqualität, Objektivpalette, Farbdarstellung, sehr exakter Autofokus

  + großer Sucher, Handling

  - Raw-Verarbeitungsgeschwindigkeit, wenig Blitzzubehör erhältlich, kein HSS möglich

 

Die Fujifilm-School bietet eine Reihe von Workshops an bei denen man auch die Möglichkeit hat sich eine Fuji-Kamera zum Testen auszuborgen. Das gesamte Workshopangebot von fotopraxis.at findet ihr hier.

 

Im Folgenden einige Beispielbilder die mit der Fuji X-T1 und verschiedenen Objektiven gemacht sind - RAW-Entwicklung mit Lightroom und Beauty Retusche mit Photoshop. Bei allen Bildern sind auch die Exif-Daten angegeben.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Eduard Erber (Samstag, 26 März 2016 14:58)

    Sehr informativer und praxisbezogener Erfahrungsbericht - Danke Michael! Ich warte auch schon sehnsüchtig auf meine Fujifilm XE2, die ich mit einem 28er 2.0 Objektiv gebraucht gekauft habe.