Die Wildpferde von Livno / Bosnien Teil 1

Wildpferde von Livno

 

 

 

Auf  der Hochebene von Livno in Bosnien leben ungefähr vierhundert Wildpferde in einer atemberaubend schönen Landschaft. Vor mehr als fünfzig Jahren wurden Arbeitspferde, die durch Traktoren ersetzt wurden, in der Gegend ausgesetzt. Sie überlebten die harten Winter, überstanden Angriffe durch Wölfe und ihre Population wuchs sogar noch über die Jahre. Für die meisten Menschen in Mitteleuropa ist Bosnien ein Land in dem vor einundzwanzig Jahren ein fürchterlicher Krieg tobte, aber es ist auch Land mit einer wunderschönen, in vielen Gebieten, fast unberührten Natur, in der heute noch Bären, Wölfe, Luchse, Füchse, Wildscheine und auch wilde Pferde leben.

 

Zum ersten Mal hörte ich von den bosnischen Wildpferden vor einigen Monaten - der Entschluss nun noch im November, nicht gerade der bevorzugten Reisezeit, hinzufahren kam völlig spontan. Ich erzählte einer Freundin von den Pferden die auf der Hochebene von Livno in Bosnien leben und eine Woche darauf saßen wir bereits im Auto. In der kurzen Zeit ließ sich zwar recht einfach ein Apartment direkt in Livno finden, einen Guide mit Allrad-Fahrzeug, den wir ganz sicher brauchen würden um zu den Pferden zu gelangen konnte ich im Internet nicht auftreiben. Wir fuhren ganz einfach auf Gut-Glück sechshundert Kilometer in das Land am Balkan, getrieben von unserer Hoffnung, möglichst schnell jemanden zu finden der uns zu den Wildpferden bringt. Ich persönlich liebe diese Art von spontanen Reisen mit ungewissem Ausgang, sie verstärken ganz einfach den Eindruck sich auf ein wahres Abenteuer zu begeben.

 

Ausgangspunkt unserer kleinen Expedition war Graz, von da ging es auf der gut ausgebauten Autobahn recht flott über Slovenien nach Kroatien, vorbei an Zagreb und weiter nach Karlovac. Ab dort ging es weiter über die Bundesstraße Richtung bosnische Grenze. Von meiner letzten Bosnien-Reise wusste ich, dass man in diesem Land nicht besonders schnell voran kommt. Es gibt kaum Autobahnen und die Landstraßen führen durch jeden Ort. Mehr als fünfzig Kilometer pro Stunde legt man kaum zurück, der Zustand der meisten Straßen ist allerdings sehr gut. Die letzten zweihundert Kilometer gingen durch extrem dünn besiedeltes Gebiet, über mehrere Berge, auf wenig befahrenen Straßen. Es ist schon etwas unheimlich wenn das einzige Licht was man über eine Strecke von fünfzig Kilometern sieht, das Licht vom eigenen Auto ist. 

in Bosnien findet man sehr viele Ruinen dieser Art

In Livno angekommen, hatten wir vorerst einige Mühe unser Quartier zu finden. Ein Anruf beim Vermieter half schließlich weiter, sorgte aber gleichzeitig für etwas Verwirrung als er uns erklärte, dass er selbst nicht vor Ort ist aber jemanden schickt der weder deutsch noch englisch spricht - tatsächlich hat dann aber alles perfekt funktioniert und das Apartment war überraschend komfortabel und gut ausgestattet. Unter unserer Unterkunft wohnte der Vater des Vermieters, er kam sofort vorbei und lud uns zu Schnaps und Bier ein, ein Ritual das sich noch mehrfach wiederholen sollte. Oft sind genau diese Situationen der Schlüssel zu dem was man sucht, so auch diesmal. Es war noch ein weiterer Herr anwesend und es wurde erst mal der selbst gebrannte Schnaps verkostet. Wir erzählten von unserem Plan die Wildpferde zu suchen und Fotos zu machen und dass wir auf der Suche nach einem Guide samt Allrad-Fahrzeug wären. Der weitere Besucher Sprache nicht nur deutsch weil er fünfunddreißig Jahre in Deutschland gearbeitet hatte, erhalte auch ein Geländeauto und erklärte sich bereit mit uns auf die Suche zu gehen. Im folgenden Gespräch erzählte er uns auch, dass er früher Jäger war und das ganze Gebiet auf der Jagt zu Fuss durchkämmt hat - manchmal hat man auch eine gehörige Portion Glück.

die Hochebene von Livno - unendliche Weiten fiel mir als erstes dazu ein

Am nächsten Morgen saßen wir im Jeep unseres neuen Bekannten und das Abenteuer begann. Unser Weg führte uns hinaus aus dem Ort nach Osten in Richtung Kupres. Bereits kurz nach Livno ging es bergauf in Richtung Berge, die Besiedelung wurde immer dünner, bald war da nur noch die Straße die sich den Berg hinauf schlängelte und sonst nichts als Natur. Da wir am Vortag bei Dunkelheit ankamen, sahen wir nicht, wie schön und weitläufig die Landschaft hier ist - es verschlug uns fast die Sprache, wir blickten hinab auf eine fast endlose Ebene, begrenzt von mächtigen schneebedeckten Bergen. Mittlerweile fuhren wir durch eine verschneite Berglandschaft und auf der Straße waren immer wieder große Kothaufen zusehen. Unser Führer erklärte uns, dass dies von den Pferden sei, die in der kalten Jahreszeit immer wieder an die Straße kämen um Salz zu lecken. Unsere Anspannung war nun bereits Riesengroß, wann würden wir die ersten Wildpferde sehen, oder würde unsere Suche vergeblich sein. Die Pferde bewegen sich in einem Gebiet von fünfundzwanzig bis dreißig Kilometern und sind ständig in Bewegung erläuterte unser Fahrer, man braucht etwas Glück um sie zu finden. Im Winter sei es einfacher weil sie sich öfter in der Nähe der Straße aufhalten, im Sommer sind sie meist in höheren Gegenden. Als wir fast den höchsten Punkt der Straße erreicht hatten, wurde unser Fahrer plötzlich langsamer und zeigte auf einen uns gegenüberliegenden Berghang. Wir hatten richtig Glück - nach nur dreißig Minuten Fahrt   sahen wir die ersten Pferde am gegenüberliegenden Berghang. Mein Pulsschlag hatte sich vor Aufregung merklich erhöht - die Tiere waren noch viel zu weit weg um gute Fotos zu schießen, aber sie waren da und Wahrscheinlichkeit sie auch tatsächlich näher vor die Linse zu bekommen war deutlich gestiegen.

erster Sichtkontakt zu den Bosnischen Wildpferden

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