Die Wildpferde von Livno / Bosnien Teil 2

 

hier gehts zu  Die Wildpferde von Livno / Bosnien Teil 1

  

Beim nächsten Parkplatz machten wir halt - wir hatten von unserem Fahrzeug aus, einige Wildpferde direkt unter diesem gesehen. Wir schnappten uns unsere Fotorucksäcke und ich montierte mir das XF 50-140mm 2.8 auf meine Fuji X-T2. Ich hatte mir für diesen Tag auch den Batteriegriff auf die Kamera geschraubt um ohne Akku-Wechsel durch zu kommen. Mit einsatzbereiter Fotoausrüstung stapften wir nun durch den Schnee um über die Kuppe zu kommen hinter der wir die Pferde gesehen hatten und nach circa zweihundert Meter konnten wir eine kleine Herde sehen, die sich allerdings von uns fort bewegte. An eine Verfolgung war in dem unwegsamen Gelände nicht zu denken, also ging es zurück zum Auto. An der der höchsten Stelle der Bergstraße bog unser Guide nun auf eine Schotterstraße in Richtung Hochebene ab - mit einem normalen Fahrzeug wäre ab hier nichts mehr gegangen - der Weg war schneebedeckt und voller Löcher, immer wieder mussten wir großen Steinen ausweichen. Plötzlich blieb unser Fahrer stehen und sagte uns, dass wir von nun an zu Fuß weiter müssten. Mir war nicht ganz klar warum, zumal ich von unserem Haltepunkt aus kein einziges Tier sehen konnte. Wir stapften nun durch circa fünfzehn Zentimeter hohen Schnee einen Hang hinauf, nach in etwa zehn Minuten erreichten wir eine Kuppe von der sich uns eine atemberaubende Aussicht bot und keine hundert Meter von uns graste eine kleine Herde von geschätzten dreißig Wildpferden.

Wildpferde in Bosnien
Wildpferde in Bosnien

Ich nahm sofort meine Kamera zur Hand und machte einige Aufnahmen. Mein Herz pochte wie wild, wir hatten sie gefunden. Vorsichtig gingen wir weiter in Richtung der Herde, die nun ebenfalls Notiz von uns nahm. Einige Tiere hatten ihre Köpfe in unsere Richtung gestreckt um kurz darauf in unsere Richtung los zu traben. Anscheinend wollten sie feststellen ob wir etwas zu fressen dabei hatten - binnen weniger Minuten waren wir völlig von den Pferden eingekreist. Konnte ich es zu erst kaum erwarten die freilegenden Tiere aus nächster Nähe zu sehen, war es nun doch schon etwas unheimlich als so viele dieser wunderbaren Lebewesen sehr eng um standen und mir kaum noch Platz ließen. Ein lauter Ruf und einige fuchtelnde Handbewegungen unseres Führers ließen die Tiere ein paar Meter zurückweichen und Gott-sei-Dank war nun auch wieder ein Korridor nach hinten frei, so dass auch ich mich etwas entfernen konnte. Allerdings kamen die Pferde sofort wieder bedrohlich nahe und mussten immer wieder durch Rufe und Handbewegungen auf Abstand gehalten werden

Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien

Als ich meinen Rucksack abnehmen wollte, um das 50-140mm durch eine kürzere Brennweite zu ersetzen, riet mir unser Führer dies in diesem Moment nicht zu tun. Die Pferde könnten annehmen, dass wir darin Futter hätten und würde durch diese Geste eventuell noch unruhiger werden. So versuchte ich etwas Abstand zu gewinnen um einige gute Aufnahmen zu bekommen. Das XF 50-140mm erwies sich nun als sehr gute Wahl. In Verbindung mit der Kamera mit Batteriegriff hatte ich das perfekte Arbeitsgerät für diesen Einsatzzweck. Um bei leicht wechselnden Lichtverhältnissen angenehm fotografieren zu können wählte ich Zeitautomatik als Belichtungsprogramm. Zu lange Belichtungszeiten vermied ich, indem ich die ISO-Automatik mit einer minimalen Verschlusszeit von 1/200 wählte. Zu hohe ISO-Werte würden sich bei Tageslicht oder auch beginnender Dämmerung nicht ergeben, zumal ich je nach Motiv mit einer eher offeneren Blende von 2.8 bis maximal 5.6 arbeitete. Den Bildstabilisator im Objektiv hatte ich während des ganzen Tages eingeschaltet - in Verbindung mit einer maximalen Verschlusszeit von 1/200 waren somit verwackelte Bilder durch mich ausgeschlossen. Da die Pferde sich zu dieser kalten Jahreszeit etwas langsamer bewegen sollte diese Verschlusszeit für alle Fälle ausreichen. 

Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien

Nach einiger Zeit hatte die Herde das Interesse an uns weitgehend verloren und hilt nun etwas Abstand ein. Anscheinend war ihnen klar geworden, dass kein Futter von uns zu erwarten war. Nun bot sich endlich die Möglichkeit die Pferde in Ruhe zu fotografieren, auf die Komposition bei den Bildern zu achten und die ersten guten Bilder waren sehr schnell im Kasten. Kurz darauf setzte sich die Leitstute in Bewegung und die Herde machte sich durch unwegsames Gelände davon. Obwohl wir hier nur grob geschätzt eine viertel Stunde hatten bevor unsere Motive das Interesse an uns verloren, war ich unglaublich glücklich, die Gelegenheit gehabt zu haben, diese wild lebenden majestätischen Lebewesen, aus nächster Nähe fotografieren zu können.

 

Wir gingen nun zurück zu unserem Jeep um tiefer in die Wildnis einzudringen, die Herde eventuell an anderer Stelle wieder zu finden oder auf eine andere zu stoßen. Jetzt war es von großem Vorteil, dass unser Fahrer die Gegend so gut kannte - nach kürzester Zeit hatte ich die Orientierung komplett verloren. Immer wieder drehten wir um um einen neuen Weg einzuschlagen und entfernten uns dabei immer weiter von der befestigten Straße. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, nochmals an diesem Tag auf Wildpferde zu treffen sahen wir eine weitere Herde. Je näher wir kamen, desto mehr Exemplare dieser wundervollen Tiere konnten wir sehen - kein Zweifel, diesmal hatten wir eine weitaus größere Herde entdeckt. Wir machen uns sofort bereit um mit dem Fotografieren zu beginnen, in der Hoffnung, dass wir diesmal etwas mehr Zeit hätten bevor sich die Pferde wieder entfernen. Wir hatten unglaubliches Glück. Die Pferde dieser Herde waren unglaublich ruhig und verhielten sich annähernd so, als wären wir nicht vorhanden. Nur wenige Tiere erkundeten Interesse an uns und näherten sich vorsichtig. Die Atmosphäre war einfach unglaublich schön - wir hatten die Gelegenheit uns mitten unter gut zweihundert Wildpferden zu bewegen, sie ließen uns ohne Aggression zu zeigen sogar nahe an die Jungtiere heran. Wir fotografierten an dieser Stelle gut zwei Stunden. Zwischendurch kam es zu kleineren eher verspielten Kämpfen zwischen den Hengsten - ernsthafte Kämpfe würde es erst wieder zur Paarungszeit im Frühjahr geben. Niemals hatten wir das Gefühl, dass die Situation bedrohlich würde, ganz im Gegenteil wir fühlten eine starke Verbindung zu den Tieren - ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Als die Herde nach gut zwei Stunden, sich der Leitstute folgend aufmachte um woanders weiter zu grasen war ich überglücklich. Ich hatte sechshundert Bilder gemacht und war mir bereits zu dem Zeitpunkt sicher, dass sehr sehr viele ausgezeichnete dabei waren.

Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien

Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien
Wildpferde auf der Hochebene von Livno in Bosnien

Die Fuji hatte sich auch in dieser Situation als unschlagbar erwiesen - das deutlich geringere Gewicht gegenüber der Canon 5DMKIII, die ich vorher verwendetet erwies sich als wahrer Segen, was sich vor allem dadurch äußerte, dass ich auch nach mehreren Stunden intensiven fotografieren mit Batteriegriff und Teleobjektiv, keine Verspannung wie sonst üblich im Rücken verspürte. Der große elektronische Sucher war wieder einmal eine große Hilfe - fehlbelichtete Bilder hat man mit der spiegellosen Kamera fast nie, zumal man die Belichtungskorrektur schon bequem vor der Aufnahme vornehmen kann.

Am nächsten Tag ging es zurück nach Österreich, mit einer unglaublich großen Bildausbeute und der Gewissheit wieder zu kommen. Die Wildpferde von Livno haben mich in ihren Bann gezogen. Für das Frühjahr 2017 ist die nächste Reise in die Region geplant - mitten in der Paarungszeit wenn die Herden zwar unruhiger sind, aber sich dadurch auch völlig neue Motive bieten. Ich freue mich bereits auf ein Wiedersehen mit diesen wundervollen Geschöpfen in freier Natur.

die Hochebene von Livno in Bosnien

hier gehts zu  Die Wildpferde von Livno / Bosnien Teil 1

 

teile den Artikel wenn  er dir gefällt

Fujilove Magazin Dezember 2016

In der Dezember Ausgabe von 2016 des FUJILOVE Magazins ist der Artikel in englischer Sprache publiziert worden. Das Magazin erscheint monatlich und veröffentlicht vor allem Berichte rund um die Entstehung von Fotos bzw. Artikel über die Arbeitsweise von Fuji X-Fotografen aus aller Welt. Jeder Beitrag ist mit unzähligen erstklassigen Bildern illustriert.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0