Fujifilm X-T20 Erfahrungsbericht

Fuji X-T20 with XF 27mm © Michael Schnabl
Fuji X-T20 with XF 27mm © Michael Schnabl

Die Fuji X-T10 galt als die Mini-Version der X-T1 und war der Verkaufsschlager des Fujifilm X-Kamera Sortiments - seit kurzem ist nun der Nachfolger am Markt und auf den ersten Blick, bis auf die Modellbezeichnung kaum von der X-T10 zu unterscheiden. Wenn man sich näher mit der Kamera beschäftigt merkt man sehr schnell, dass unter dem fast unveränderten Gehäuse fast alles neu und gegenüber dem Vorgänger konsequent weiterentwickelt und verbessert ist. Ich hatte die Gelegenheit die Kamera auf einem Kurztrip nach Slowenien ausführlich im Praxiseinsatz zu testen.

Die perfekte Reisekamera

Was als erstes auffällt sind die kompakten Abmessungen der Kamera - das Gehäuse hat sich zur X-T10 praktisch nicht geändert und das ist auch gut so. Die meisten Änderungen fanden also unter der Oberfläche statt und hier ist fast alles neu und verbessert worden - Fuji horcht wie kein anderer Hersteller auf die User seiner Kameras und geht merkbar auf Verbesserungsvorschläge und Anregungen ein. Eine kleine Änderung bei den Tasten auf der Rückseite fällt allerdings sofort auf - sie lassen sich nun deutlich besser erfühlen und das Verstellen des Fokus-Punktes klappt dadurch deutlich besser als noch beim Vorgängermodel oder der X-T1 - eine winzige Kleinigkeit, die aber die Handhabung entscheidend erleichtert. Zurück zur Größe, oder besser gesagt zur Kompaktheit der Kamera - in den letzten Jahrzehnten hab ich mich mit den verschiedensten analogen und digitalen Spiegelreflexkameras auf Reisen abgeschleppt, ich wollte ganz einfach die bestmögliche Bildqualität und spiegellose Kameras, die die vorherrschende Meinung, dass die größere Kamera die besseren Bilder macht ad absurdum führten, gab es bis vor ein paar Jahren noch nicht.

 

Die Fuji X-T20 hat in etwa das Volumen von zwei Zigarettenschachteln, klein genug um gemeinsam mit dem 27mm Pancake in eine größere Jackentasche zu passen - auf jeden Fall belastet sie kaum wenn sie umgehängt ist und sie passt in jede noch so kleine Tasche mit hinein. Auf Reisen will ich einfach so wenig wie möglich mitschleppen - Übergepäck auf Flügen gehört mit dieser Kamera auf jeden Fall der Vergangenheit an. Mit einer kleineren Kamera hat man an vielen Orten auch weniger Probleme zu erwarten - man geht als ganz normaler Tourist durch; unbemerkte Street-Fotos gelingen dadurch ebenfalls leichter - in den vergangenen Jahren hatte ich öfters das Problem mit einer großen Spiegelreflexkamera, dass man mich damit als professionellen Fotograf sah und eine Fotografier-Genehmigung von mir verlangt wurde - in Dubai führte das zweimal zu höchst unangenehmen Situationen. 

 

Im Vorjahr war ich noch der Meinung, dass die X-T2 als Reisekamera bereits perfekt ist - in den paar Tagen in Slowenien musste ich meine Meinung revidieren - die X-T20 liefert mir die gleiche Bildqualität bei deutlich kleinerer Gehäusegröße und weniger Gewicht - damit ist sie für mich eine zumindest ebenso gute Kamera für unterwegs.

 

Für welche Einsatzzwecke eignet sich die X-T20

Nun, die kompakten Abmessungen sind in vielen Bereichen von großem Vorteil - die Kamera ist eine perfekte Reisebegleiterin, ist sehr gut geeignet für Street-Photography, sie eignet sich wunderbar für Produkt- und Food-Photography und ist auf Grund des schnell aktivierbaren Vollautomatik-Modus und der leichten Bedienbarkeit eine Kamera für die ganze Familie mit exzellenter Bildqualität. Wer allerdings mit langen Brennweiten, d.h. größeren Teleobjektiven fotografiert wird wahrscheinlich auf Dauer weniger Freude haben - eine Kamera für Sport und Wildlife-Photography ist die X-T20 daher eher nicht - auch für den überwiegenden Studioeinsatz ist sie nicht gebaut, obwohl sie hier ebenfalls hervorragende Ergebnisse abliefert, hier liegt aber die X-T2, vor allem mit Batteriegriff, doch deutlich besser in der Hand. 

 

Die kompakte Größe macht die Fuji X-T20 zur idealen Reisekamera © Michael Schnabl
Die kompakte Größe macht die Fuji X-T20 zur idealen Reisekamera © Michael Schnabl

Ausstattung und Funktionen

Es ist schon erstaunlich was Fuji alles in das kleine Gehäuse gepackt hat - die kompakte Systemkamera begeistert mit ihrem Funktionsumfang und wird ihrem Ruf als verkleinerte X-T2 auch durchaus gerecht wenn man mit ein paar kleinen Einschränkungen leben kann. Wie man es schon von anderen Kameras aus dem X-System kennt, lässt sich fast jede Taste individuell konfigurieren und auch das Quick-Menü lässt sich beliebig zusammen stellen - somit hat man die Möglichkeit, die Kamera sehr genau an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen; ein Punkt den ich an den Fujis besonders schätze. Der Sucher ist etwas kleiner als bei der XT2, in der Praxis erwies er sich aber als absolut ausreichend - die Qualität des Sucherbilds ist tadellos. Der Monitor ist nach oben und unten schwenkbar - einen um 3 Achsen schwenkbaren Monitor wie bei der größeren Schwester bekommt man aber nicht; dafür ist er allerdings als Touchscreen ausgeführt was wiederum die X-T2 nicht bieten kann. Es gibt noch ein paar weitere Unterschiede zur größeren X-T2 - die X-T20 hat nur ein Speicherkarten-Fach und das unterstützt den schnellen UHS-II Standard nicht - damit ist die Kamera bei der Bildabspeicherung langsamer als die X-T2 was für die meisten Einsatzbereiche aber ohne Belang ist - bei Serienaufnahmen ist auf Grund dieses Umstands aber etwas schneller Schluss. Auch der gegenüber den Fuji-Spitzenmodellen fehlende Joystick lässt sich verschmerzen, zumal die Tasten zur Fokus-Punkt-Verstellung ja nun deutlich besser zu bedienen sind. Der einzige Punkt der allerdings vor allem beim Einsatz als Reisekamera abgehen könnte ist, dass die X-T20 nicht gegen Spritzwasser abgedichtet ist. 

 

Nun, dass die Kamera nicht alles kann was die deutlich teurere X-T2 zu bieten hat ist eigentlich klar - im tatsächlichen Einsatz unterwegs ging mir eigentlich nichts ab - auch einen leichten Regen hat die Kamera bereits völlig unbeschadet überstanden. Jedoch hat die X-T20 auch eine Funktion, die man bei den Fuji-Flaggschiff-Modellen vergeblich sucht - mittels eines kleinen Hebels kann man in den Vollautomatik-Modus wechseln, der dann auch so einiges an Motivprogrammen bereithält - stellt man den Hebel zurück, ist man wieder exakt bei den selben Einstellungen die man zuvor hatte - ein Funktion, die das kleine High-End-Wunderwerk auch zur Familienkamera macht. Auch sonst bleiben bei der Ausstattung kaum Wünsche offen - neben den genialen Fuji-Filmsimulationen mit denen sich perfekte JPG's out of the cam realisieren lassen, kann man sich verschiedenste Arten von Aufnahmereihen konfigurieren, Schwenkpanoramen erstellen oder auch in 4K filmen - alle technischen Daten findet ihr auf der Herstellerseite.

 

Geschwindigkeit / Autofokus

Hier lässt das kleine Schmuckstück eigentlich keine Wünsche offen, sieht man von den begrenzten Serienbildern am Stück, durch den langsameren Speicherkarten-Standard ab. Sofort nach dem Einschalten ist die Kamera betriebsbereit, der Autofokus, den sie von der X-T2 hat, reagiert selbst bei weniger Licht schnell und treffsicher - eine Auslöse-Verzögerung ist subjektiv nicht wahrnehmbar - das macht sie zu einer sehr guten Schnappschuss-Kamera, das kleine Gehäuse unterstreicht diesen Anspruch. Geschwindigkeit und kompaktes Format sind auch im Bereich der Street-Photography von enormen Vorteil - ein Fotografie-Bereich der bei mir mit der Reisefotografie Hand-in-Hand geht. Mit 91 bzw. 325 Autofokus-Messfeldern die bis ziemlich an den Rand reichen und vielen Konfigurations-Möglichkeiten hält das Autofokus-Modul der X-T20 mit den meisten Profi-Klasse-DSLR's ganz gut mit - den meisten Kameras im selben Preissegment ist der Autofokus deutlich überlegen.

 

Bildqualität / Rauschverhalten

Die X-T20 hat den gleichen Sensor wie die Premium APS-C Kameras von Fuji - den 24MP X-Trans 3 Sensor - dieser Sensor liefert eine unglaubliche Bildqualität und in Verbindung mit den Filmsimulationen von Fuji auch extrem angenehme Farben - die Schärfe die in Kombination mit den erstklassigen Fuji XF-Objektiven erzielt wird ist immer wieder unglaublich für mich.  Da das Wetter in Slowenien am zweiten Tag recht regnerisch war, habe ich zumeist höhere ISO-Stufen benutzt - bis 1600 ISO ist die Bildqualität exzellent - bis 3200 ISO sehr gut - nun, wer schon mit einer X-T2 oder X-Pro2 fotografiert hat kennt das - in dieser Preisklasse, von knapp 900 Euro für den Body, gibt es derzeit denke ich, keine einzige Kamera die mit dieser Bildqualität und diesem hervorragenden Rauschverhalten mithalten kann. Das ist wahrscheinlich auch die allergrößte Stärke der X-T20 - eine unglaublich gute Bildqualität mit herausragendem Rauschverhalten in einem kleinstmöglichen Gehäuse zu einem leistbaren Preis.

 

Empfehlenswerte Objektive für die X-T20

Eine kleine Auswahl an Fuji-Objektiven die für mich perfekt zu dieser Kamera passen.

Wer das Fuji XF 18-55mm f/2.8-4.0 LM OIS noch nicht sein eigen nennt, sollte die Kamera unbedingt im Kit mit diesem Objektiv kaufen - es ist denke ich das schärfste Kit-Objektiv das es gibt und besitzt zusätzlich einen gut funktionierenden Stabilisator. Ich habe vor allem auf Reisen schon eine Unzahl an Bildern mit dieser Ausnahme-Kit-Linse gemacht und bin nach wie vor beeindruckt von der Abbildungsleistung. 

 

Das XF 27mm 2.8 Pancake ist für mich das absolute must-have zu dieser Kamera - es passt nicht nur von der Größe her perfekt zu ihr, die Kamera sieht in Kombination mit diesem Objektiv auch richtig klasse aus. Für Street und Reportage eine perfekte Kombination die wirklich Spaß macht.

 

Mit dem XF 14mm f/2.8 R hat man einen großartigen Partner wenn es um Architektur und Landschaft geht - das Objektiv ist unglaublich gut korrigiert, es verzerrt also fast überhaupt nicht und passt größenmäßig ebenfalls sehr gut zur Kamera.

 

Portraits gelingen besonders gut mit dem neuen XF 50mm f/2.0 R WR - ebenfalls relativ kompakt und mit einer herausragenden Abbildungsleistung gelingen mit dieser Optik schöne Freistellungseffekte.

 

Fazit

Diese Kamera macht vor allem eines - Bilder mit einer bestechenden Qualität - dazu kommt der große Fun-Faktor, es macht ganz einfach Spaß mit dieser Kamera zu fotografieren. Vor allem unterwegs spielt sie ihre großen Vorteile aus, wenn man Bilder von höchstem Niveau möchte und sich dabei aber nicht halb zu Tode schleppen will. Vom Funktionsumfang her kann sie mit jeder Top-DSLR mithalten - die Ausstattung ist gegenüber den Fuji-Spitzenmodellen leicht abgespeckt, wirklich vermisst habe ich für Street und Reisefotografie aber nichts - wenn man einen Wunsch für die nächste Generation dieser Kamera äußern dürfte, dann wär meiner, ein abgedichtetes Gehäuse um absolut sorgenfrei unterwegs sein zu können. Die kurze Einschaltzeit in Verbindung mit einem hervorragenden und schnellen Autofokus machen die Kamera auch Schnappschuss-tauglich - das geniale Konzept für die Vollautomatik stellt sicher, dass die ganze Familie mit dem kleinen Wunderwerk gut zurecht kommt. Das umfangreiche und ausgezeichnete Objektiv-Sortiment und unglaublich viele Produkte von Fremdfirmen, die mittlerweile eine Riesenfülle an Zubehör für die Fujis herstellen, sorgen für die Möglichkeit, die Kamera für jeden Zweck zu erweitern, oder mit hübschen Accessoires  zu verschönern. Ja und ganz zum Schluss noch etwas was zwar jeder sieht, ich aber ebenfalls für einen wichtigen Punkt halte - die X-T20 ist wie die meisten Fujis eine ausgesprochen stylische Cam - nicht nur ein nüchternes Werkzeug, sondern ein Schmuckstück, das man gerne mitnimmt.

 

Beispielbilder

Die Bilder der ersten Galerie sind als RAW aufgenommen und mit Lightroom entwickelt - weiter unten befindet sich noch eine Galerie mit JPG's straight out of cam - bei allen Bildern stehen die EXIF-Daten dabei.

Die Bilder der folgenden Galerie sind JPG's straight out of cam; sie wurden nur fürs Internet etwas verkleinert.

Zu guter Letzt, noch ein paar Zubehör-Tipps ...


Der Cactus V6II Funkauslöser und Empfänger ermöglicht HSS mit einer Vielzahl an Aufsteckblitzen, mobilen Blitzsystemen und sogar Studioblitzen - die erste Wahl für all jene die mit kurzen Verschlusszeiten blitzen möchten. 



Der Drahtauslöser-Anschluss der meisten Fujis ermöglicht es den Auslöse-Knopf zu verschönern - gibt auch ein besseres Gefühl beim Fotografieren - diese Knöpfe gibt es in den verschiedensten Farben und Ausführungen.



Ich liebe dieses Teil - nicht nur, dass ich zwei Akkus damit zur selben Zeit aufladen kann, im Display wird auch der Ladezustand der Akkus angezeigt.



Die Bücher von Rico Pfirstinger sind für mich die erste Wahl wenn es um Fuji-Kameras geht. Der Inhalt geht weit über die Bedienungsanleitung hinaus und ist gut lesbar sowie verständlich erklärt. Für alle die das Maximum aus ihrer Fuji heraus holen möchten.



Wer seine Kamera veredeln und gleichzeitig schützen möchte, wird mit dieser Echtleder Kamera-Abdeckung sicher große Freude haben - nicht gerade billig aber sehr hochwertig.



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Kommentare: 4
  • #1

    Bernd (Samstag, 29 April 2017 09:26)

    Hallo Michael!
    Habe Deinen Bericht über die Fuji XT 20 sehr interessant gefunden, zumal ich mich schon länger für diese Camera interessiere. Bin von der Bildqualität meiner XT 2 und auch von meiner XT1 ebenso wie Du begeistert.
    Frage: gibt es für die XT 20 auch einen Batteriegriff.
    P.S.: würde mir weitere Erfahrungsberichte über Fuji wünschen.

  • #2

    Michael Schnabl (Samstag, 29 April 2017 11:13)

    Hallo Bernd,
    vielen Dank für dein Feedback - für die X-T20 gibt es keinen Batteriegriff aber einen Handgriff original von Fuji, der die Griffigkeit deutlich verbessert - wenns nur um die Akkuleistung geht - denke ist nicht das Problem den einmal am Tag, wenn man wirklich sehr viel fotografiert, zu tauschen - gibt übrigens auch sehr günstige Nachbau-Akkus die gut funktionieren - Patona z.B. ;-)
    LG Michael

  • #3

    Preinreich Werner (Donnerstag, 06 Juli 2017 16:59)

    Hallo Bernd!
    Die starke Vignettierung bei einigen Bildern find ich nicht gut! Ist das ooC oder absichtlich so bearbeitet?
    Ich bin am Nachdenken, ob ich meine Nikonausrüstung verkaufe und eine XT20 + XT2 kaufe!
    Dein Bericht hilft wirklich! Danke!
    Werner

  • #4

    Ursula Rose (Samstag, 15 Juli 2017 15:06)

    Ist das Objektiv Fujinon X 55-200 mm auch zu verwenden, wenn man einen zusätzlichen Handgriff montiert? Mit der X-T1 geht es sehr gut, möchte aber auf die X-T20 umsteigen, wobei mich vor allem das bessere Rauschverhalten, die höhere Auflösung und der touchscreen für das Fokussieren dazu animieren.