Test und Erfahrungsbericht zum neuen Fuji XF50mm F1.0 WR

Das Gerücht zu einem Objektiv für das X-System mit der Lichtstärke 1.0, geisterte ja schon seit Jahren durch die Foren. Ursprünglich war von einem XF33mm F1.0 die Rede; geworden ist es dann aus Größengründen ein XF50mm F1.0. Für mich als Portraitfotograf genau die passende Brennweite, denn mit dem Cropfaktor von 1,5 ergibt sich eine für Portraits sehr gut nutzbare Brennweite von 75mm. 

 

Als ich die Nachricht bekam, dass ich, als einer von acht Fotografen weltweit,  die Möglichkeit bekommen würde, das neue XF50mm F1.0 vor der offiziellen Produktvorstellung testen zu dürfen, war meine  Freude dementsprechend groß.

An ein Premium-Objektiv dieser Art, hat man natürlich sehr hohe Erwartungen. Fujifilm hatte ja schon seit langem mit dem XF56mm F1.2 ein exzellentes Portrait-Objektiv im Line-up und das setzte die Latte für diese neue Optik schon sehr hoch.   Um mir einen bestmöglichen Eindruck zu verschaffen, plante ich deshalb ein Portrait-Shooting on Location und auch zwei Shootings im Studio. Ich wollte mit vorhandenem Licht und natürlich auch mit Blitz fotografieren. 

 

Erster Eindruck

Meine größte Befürchtung im Vorfeld war, dass das Objektiv zu groß und zu schwer sein könnte. Eine Lichtstärke von F1.0 lässt sich nicht in einem kompakten Objektiv umsetzen, soviel war mir klar. Noch dazu ist das Fuji XF 50mm F1.0 das erste Objektiv der Welt, das auch einen Autofokus besitzt. 

 

Als ich das Objektiv auspackte war ich erleichtert - natürlich war es um einiges schwerer als das XF56mm F1.2 - von der Länge her mit dem XF90mm F2.0 vergleichbar, etwas dicker als dieses und ein klein wenig schwerer (845g). Man hat schon das Gefühl etwas extrem Wertiges in der Hand zu halten. Viel Glas, die meisten Teile aus Metall, leichtgängiger sanfter Fokusring und der von Fuji gewohnte Blendenring. Man sieht auf den ersten Blick, dass es sich um eine besondere und hochwertige Optik handelt.

Die Befürchtung, dass das Objektiv zu groß und unhandlich sein könnte löste sich dann ebenfalls relativ schnell auf.  In Kombination mit der X-T4, ob nun mit oder ohne Batteriegriff, erhält man eine Einheit die wirklich gut in der Hand liegt. Zugegebener Maßen, man spürt das zusätzliche Gewicht im Vergleich zur Kombination mit dem XF56mm - allerdings ist das XF50mm auch nicht als Reiseobjektiv gedacht, sondern als Werkzeug erster Güte für Portrait-Shootings, und da stören die paar Gramm mehr nicht wirklich.

Shooting on Location

Um das Auflösungsvermögen bei Offenblende und auch das Bokeh zu testen hatte ich zu aller erst ein Shooting on location geplant. Ein altes Kino mit mehreren Nebenräumen, seit 34 Jahren außer Betrieb und seit dem fast unverändert, hatte die perfekten Voraussetzungen dafür. Wechselnde Lichtverhältnisse, teilweise stockdunkel wie zum Beispiel im Kinosaal und an manchen Stellen mit wunderschön diffusem Licht. Ich begann im Kinosaal zu fotografieren, unter völliger Dunkelheit, nur das Einstelllicht vom mobilen Blitz erhellte den dunklen Saal ein wenig. Ich war überrascht, wie treffsicher der Autofokus funktionierte. Fuji hat den Autofokus vom X-System in den letzen Jahren immer wieder verbessert und inzwischen lässt die automatische Scharfstellung hier wirklich kaum noch Wünsche offen.Was sofort auffällt ist, dass der Autofokus vom Fuji XF50mm F1.0 auch in einer sehr sehr dunklen Umgebung (-7EV) überraschend schnell sein Ziel findet und das mit unglaublicher Genauigkeit. In Verbindung mit der X-T4 war praktisch jedes Bild am gewünschten Punkt scharf. Beeindruckend, wenn man berücksichtigt, dass es zuvor noch kein Objektiv dieser Lichtstärke mit Autofokus gab. 

 

Danach schoß ich noch eine Reihe von Bildern mit vorhandenem Licht, teilweise tatsächlich mit Blende F1.0. Ich wollte ganz einfach sehen, ob sich das Objektiv auch mit völliger Offenblende verwenden lässt. Ich muss zugeben, hier war ich dann schon wirklich erstaunt - auch bei dieser extremen Blendenöffnung, waren die Bilder am Punkt knackscharf. Als absolut grandiose Arbeitsblende für Portraits on location mit vorhandenem Licht, stellte sich für mich die Blende F2.0 heraus. Ausreichend Schärfentiefe um genug vom Gesicht scharf zu bekommen und eine wunderbar cremige Unschärfe im Hintergrund.

 

Das Bokeh, also die unscharfen Bereiche im Bild ist eines der wichtigsten Kriterien, die an ein hochwertiges Portraitobjektiv gestellt werden und das Fujifilm XF50mm F1.0 ist hier einfach Weltklasse. Wunderbar cremig, sanft und von einer anmutigen Ruhe unterstreicht es damit auf eindrucksvolle und deutlich wahrnehmbare Weise die Bildwirkung. Bilder die mit diesem Objektiv geschossen wurden, haben ganz einfach eine besondere Anmutung, schwer zu beschreiben, aber man bekommt auf jeden Fall einen Effekt, der dieses Objektiv zur lohnenswerten Anschaffung macht.

 

Shooting im Studio

Im Studio setzte sich der positive Eindruck, den das Objektiv on location vermittelt hatte, nahtlos fort. Kein einziger Fehlfokus obwohl ich nur mit dem Einstelllicht aus einer Lichtquelle arbeitete, Die Kamera lag mit dem Objektiv wirklich gut in der Hand, inzwischen hatte ich das Gefühl, ich würde schon jahrelang mit dieser Kamera-Objektiv-Kombination fotografieren und das obwohl es erst das zweite Shooting war. Selten konnte ich mich so schnell an eine Optik gewöhnen. Bei einer Blende von F4.0 ist die Abbildungsleistung schon fast überirdisch - unglaublich was da in Verbindung mit einem APS-C Sensor möglich ist. Die Bilder waren scharf detailreich und unglaublich klar, ohne unnatürlich überschärft zu wirken. Ich war hier wiederum fasziniert davon, dass es das Objektiv schaffte auch im Studio noch etwas mehr heraus zu holen als das XF56 F1.2 und um das nicht falsch klingen zu lassen, das ist ebenfalls ein erstklassiges Premium-Objektiv. Vom subjektiven Gefühl her, und so weit ich es dann in 100% Ansicht am Computer beurteilen konnte, schafft das XF 50mm F1.0 halt immer noch einen kleinen Ticken mehr; egal ob es um 2/3 Blendenstufen mehr Lichtstärke geht, erkennbar schärfere Bilder bei völliger Offenblende, oder die Sanftheit des Bokehs.

Fazit

Mit dem XF50mm F1.0 ist Fujifilm der ganz große Wurf gelungen. War bisher das XF56mm F1.2 das  beste Portraitobjektiv des X-Systems, so wird es nun eindrucksvoll von der Spitze verdrängt. Nach wie vor ist das XF56mm F1.2 ein absolut empfehlenswertes Objektiv, wer allerdings die absolute Königsklasse in diesem Bereich sucht, wird vom neuen XF50mm absolut nicht enttäuscht werden. Das Bokeh ist einfach wundervoll, die Schärfeleistung über alle Blendenstufen herausragend. Zudem kommt das Objektiv mit einem äußerst zuverlässigen Autofokus. Auch wenn das Objektiv schwerer und größer ist, als man es von Optiken des X-Systems gewohnt ist, es liegt mit den Kameras der X-T-Serie, ob mit oder ohne Batteriegriff sehr gut in der Hand. Absolut empfehlenswert für ambitionierte Portrait- und Hochzeitsfotografen, die mit dem bestmöglichen Werkzeug arbeiten möchten, aber auch Still Life Fotografen, sofern es nicht um zu kleine Dinge geht (Naheinstellgrenze 70cm), werden mit diesem Objektiv absolut glücklich werden.

 

Models: Alexandra Kröpfl, Beatrice Siegl und Isabella Gspurning / Make up: Melissa Leitinger

Making of Video zu meinem ersten on location Shooting mit dem neuen Fuji XF 50mm F1.0 WR

Statements der Fotografen die als erstes das Fujifilm XF50mm F1.0 zum Test bekamen.

In diesem Video sind sehr viele Beispielbilder die mit F1.0 geschossen sind.

Vergleichstest vom Fujifilm XF 50mm F.1.0 mit dem XF 56mm F1.2 und dem XF 50mm F.2.0 - vor allem der Unterschied vom Bokeh ist hier sehr schön sichtbar!

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Die Fotoworkshops bzw. Fotokurse von Michael Schnabl und fotopraxis.at finden an verschiedenen ausgewählten Locations in Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern statt. In den letzten Jahren gab es Workshops in Graz, Wien, Salzburg, Linz, Villach, Andorf, St. Georgen, München, Hamburg, Landshut, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Darmstadt, Berlin, Gent, Prag, Ostrava und Den Haag.